Dämonen
Was sind sie, und wie schütze ich mich vor ihnen? Unsere Weisen gaben Antworten
Die Haltung der Halacha
Auch wenn sich die Halacha eindeutig gegen die Ausübung von Totenbeschwörung und Magie aller Art wendet, bestreiten Tanach und Talmud die Existenz solcher Dinge nicht grundsätzlich. So ist im Traktat Sanhedrin 67b von erlaubter und verbotener Magie die Rede. Verboten, aber straffrei sind dabei Handlungen, die lediglich auf einer Sinnestäuschung beruhen, im Sinn von Taschenspieler- oder Illusionisten-Darbietungen. Anstelle der „zersägten Jungfrau“ wird hier der Trick eines Jahrmarktszauberers mit einem zerteilten Kamel beschrieben, das hernach wieder unbeschadet aufsteht. Vor Schaden durch Betrug wird dabei schon im Talmud eindringlich gewarnt.
Was sind Dämonen?
Nun werden im Zusammenhang mit Zauberei auch Dämonen erwähnt, denen ebenfalls übernatürliche Kräfte zugeschrieben werden. Nach Meinung von Rav Pappa können sie selbst keine Gegenstände erschaffen, doch sie sind nach talmudischer Auffassung imstande, bereits vorhandene Dinge zu verwenden, um damit Schaden anzurichten. Und wie sieht so ein Dämon aus? In Chagiga 16a erfahren wir: Dämonen haben Flügel, mit denen sie sich schnell über große Strecken fortbewegen können. Sie wissen um zukünftige Dinge, die uns Menschen verborgen sind, und sie können auch sprechen. Darin gleichen sie sogar Engeln.
Eigenschaften und Unsichtbarkeit
Andererseits haben sie auch Ähnlichkeit mit Menschen: Sie nehmen Nahrung zu sich, können sich fortpflanzen und auch sterben. Eigentlich müssten Dämonen auf diese Weise leicht zu erkennen sein, so dass man sich vor ihnen in Acht nehmen kann. Aber so einfach ist das nicht, wie Berachot 6a besagt, denn sie sind größtenteils unsichtbar.
Verhaltensregeln zum Schutz
Am besten ist es daher, von vornherein bestimmte Orte zu meiden, an denen Dämonen sich gerne aufhalten, wie zum Beispiel Ruinen oder Friedhöfe. Aber selbst beim Austreten auf dem Abort ist man nicht vor Dämonen sicher (Berachot 62a), sie können einen hernach sogar noch ein Stück weit begleiten (Gittin 70a). Zudem lieben sie offenbar die Dunkelheit, daher sollte man nachts möglichst nicht unterwegs sein, schon gar nicht allein. Man sollte zumindest eine Fackel mitnehmen und am besten zusätzlich bei hellem Mondschein gehen (Berachot 43b). Und wenn man schon im Dunkeln draußen ist, soll man Acht geben, wen man grüßt, falls man sein Gegenüber nicht richtig erkennen kann. Denn vielleicht ist es gar kein Bekannter, sondern ein Dämon, der einen irreführen will (Megilla 3a).
Gefahrenquellen: Bäume und Sträucher
Auch bestimmte Bäume und Sträucher werden von Dämonen bevorzugt, wie Kapernsträucher und Vogelbeerbäume. Einst ging ein Mann an einem Vogelbeerbaum vorbei, in dem 60 Dämonen hausten, und sie fuhren in ihn. Leider war der Gelehrte, der ihn heilen wollte, nicht besonders bewandert in der Dämonenkunde, denn er fertigte dem Besessenen ein Amulett gegen einen einzigen Dämon an. Das erheiterte die übrigen Dämonen so sehr, dass sie tanzten und Spottverse sangen, bis schließlich einer kam, der sie mit einem Amulett gegen alle 60 Dämonen vertrieb (Pessachim 111b).
Wenn Dämonen Gutes tun
Im Allgemeinen gelten Dämonen als gefährlich. Dass es auch freundliche Vertreter ihrer Art gibt, erfuhren R. Jehuda Nesia und R. Samuel bar Nachman, gegen die Diokletian einen Groll hegte. Letzterer befahl ihnen, unmittelbar nach Schabbatausgang vor ihm zu erscheinen, schickte seinen Boten mit dem Befehl aber bewusst so spät los, dass sie die Zeit nicht mehr einhalten konnten. Da kam ein Dämon und bot ihnen seine Hilfe an. Sie waren zuerst skeptisch, aber tatsächlich brachte er sie mit Hilfe seiner Flügel pünktlich zu Diokletian, zu dessen großem Ärger. Aus Wut darüber ließ der Herrscher das Badehaus, das die beiden Rabbinen besuchten, unerträglich stark aufheizen. Doch der freundliche Dämon ging hin und sorgte dafür, dass es wieder abkühlte (jTerumot 8:4). Das zeigt: Dämonen können manchmal sogar Gutes tun, denn auch sie erkennen den Ewigen an (jBerachot 5:1).

Rabbinerin Antje Yael Deusel
Der Artikel erschien zuerst in der Jüdischen Allgemeinen
Bildquelle: Charles Foster – Illustrators of the 1897 Bible Pictures and What They Teach Us, Public Domain, Wikimedia Commons
